der Flaki, das zweite Leben des Aldigespannes....

Der Himmel wird bunt über der Eifel


Wenn man seit über 30 Jahren Drachen fliegt, solche mit einer oder zwei, gar vier Leinen dran, dann kommt man irgendwann auf dumme Gedanken. Ich baue meine Drachen fast alle selbst. Die Materialien sind Ripstop-Nylontücher oder Ripstop-Polyestertücher. Die Gestänge sind nicht wie früher aus leichten Holzlatten, es kommt Kohlefaser zum Einsatz. Die Leinen sind auch nicht mehr aus Bindfäden, es sind Aramid- oder hochwertige Dynemaaschnüre. Ein vielfaches leichter und reißfester als vergleichbarer Stahldraht

Aber manchmal braucht es vieles von dem nicht. Manchmal spukt einem eine Idee durch den Kopf, dass man auch die 30 Jahre alten Drachen, die noch vom Discounter stammen und in der Garage dahinvegetieren ein zweites Leben verdient haben. Dazu kam, dass ich vor einigen Jahren einen alten genialen Mann am Nordseestrand von Sankt Peter-Ording kennen lernen durfte. Auch ein Drachenflieger durch und durch. Ein Konstruktör, der Visionen hatte. Er zeichnete und baute Lenkdrachen, die mir gefielen und mit denen ich auch fliegen durfte. Seine Lenkdrachen waren mal klein mit einer Spannweite von knapp über einem Meter und mal groß, sehr groß mit einer Spannweite von 12 Metern. Ja die kann man alleine im Stehen fliegen. Es sind die größten Stablenkdrachen, die jemals in den Himmel entlassen wurden. Günter lebt inzwischen nicht mehr. Sein Erbe aber sehr wohl. Es gibt einen Freundeskreis, der sein Andenken in Ehren hält. Und so entstand bei mir diese Idee.

 

Ich nahm also meine 17 Drachen vom Discounter, die sich in den Jahren angesammelt hatten und versuchte auch was Großes zu bauen. Nicht ganz so groß wie Günter mit 12 Metern, mir reichte die Vorstellung von 7,6 Metern Spannweite. Da ich auch die ganz großen schon geflogen habe, versuchte ich die Idee umzusetzen und zeichnete Günters Plan auf eine Rolle Papier, zerschnitt meine Discounterdrachen und machte mich ans Werk.

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So entstand daheim in Harscheid bei Adenau am Esstisch der derzeit größte Stablenkdrachen in Rheinland-Pfalz. Es war schon viel Tuch, dass unter meiner Nähmaschine Platz finden musste.


Abend für Abend entstand dann das bunte Segel. Da meine 17 Drachen nicht reichten, wurden kurzerhand in den Kleinanzeigen noch 5 bis 6 weitere Drachen der selben Bauart gekauft.

 

Bei meinen alten Drachen fand ich noch die Herstellerfähnchen am Tuch, auf denen ich damals vermerkt hatte von wem ich den Drachen bekommen habe. Diese Fähnchen habe ich auch wieder in den neuen Drachen eingenäht. So bleibt die Geschichte dahinter lebendig. 

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Auch lies ich die Verfärbungen und Macken im Tuch und schnitt auch nicht die Verstärkungen heraus, die sonst nur stören. Ich wollte, dass man die Vergangenheit im neuen Drachen sehen kann.

Und so schaut es aus, wenn man fast 5 Meter lange Kappnähte setzen muss.

 
Damit der Druck im Segel nicht zu groß wird und ich nicht bis zur Nürburg geschleppt werde, wurden einige Flächen mit Gazestoff genäht. Gazestoff ist ein Gitter, ähnlich eines Fliegengitters und es lässt dann doch einiges an Wind durch. Den Nylonstoff kann man sehr gut mit einem Malerkrepp fixieren und muss nicht mit Stecknadeln experimentieren. 

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Es war immer etwas unheimlich, wenn man sehr lange Bahnen, die mit Stecknadeln fixiert waren, durch die Beine in Richtung Nähmaschine laufen ließ. Man durfte sich nicht vorstellen wie es sich anfühlt, wenn dann eine der Nadeln sich im Oberschenkel verfängt und die Maschine fröhlich weiter am Stoff zieht.

Da ich bei meinen Drachen immer ein Bildchen meiner Sabine (links)und meiner Birgit (rechts) versehe, musste natürlich auch der neue Drache diese Konterfeis tragen. 

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Wer sich jetzt fragt, welches Modell der Drache ist, es ist ein Flaki 7.6 aus der Feder von Günter Wolsing. Der alte Mann am Nordseestrand, den ich kennen lernen durfte. Flaki bedeutet lediglich, dass der Drache einen flachen Kiel besitzt. Die Tiefe des Kieles entspricht eben seiner Breite.  Dadurch fliegt er sehr stabil geradeaus und lässt sich aber wiederum leicht in eine andere Richtung lenken.


Sicher ist dem Einen oder Anderen in Harscheid, Winnerath, Reifferscheid oder bei Mahlberg meine Drachen aufgefallen. Leider ist das Freizeitvergnügen oder besser der Drachensport hier in der Gegend rund um den Ring nicht so weit verbreitet. Vielleicht ändert sich das ja mal.


Damit so ein Drachen auch haltbar ist, ist die äußere Leitkante aus besonders strapazierfähigem Material gebaut. Es nennt sich Dacron und besteht aus einem Nylontuch, das mit Kunstharz versteift wurde. Die Nase wird dann nochmals mit LKW Plane verstärkt. Aber meine alte Pfaff geht da problemlos durch und macht jeden Blödsinn mit. Nur langsam geht mir der Platz in Küche und Esszimmer aus. Nicht jeder hat Platz zum Fußballspielen in der Wohnung.

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4,6 Meter Leitkante sind schon ganz nett auf dem Teppich. Und die langen Nähte machen zwar Spaß, aber man denkt sich, dass die Maschine nie mehr aufhören will mit dem Tackern.


1000 Meter Faden sind in den Drachen vernäht. Alles in einer geschlossenen Kappnaht. Über 10 Meter Klett- und Flauschband sind verarbeitet worden, damit ich die Gazesegel auch mal bei wenig Wind verschließen kann. Zum Glück hatte ich bereits vor dem Lockdown genügend Klettmaterial beim örtlichen Händler in Adenau gekauft. Ich versuch immer so viel wie möglich von den örtlichen Händlern zu kaufen. 

Nach nächtelangen Nähorgien konnte ich diesen März zum ersten Mal das Segel in seiner vollen Größe an die Garagenwand meiner Garage kleben. 

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Dabei kontrollierte ich direkt auch die Symmetrie. Das wäre das Aus für den Drachen gewesen, wenn die Seiten nicht gleich geworden wären. Aber Entwarnung, es passte alles.


Jetzt konnte es ans Bauen des Gestänges gehen. Ein Gestänge aus Kohlefaserrohren mit 16mm Durchmesser sollte es werden. Damit der Drache auch transportabel ist, wollte ich auf ein Packmaß von 1,6 Meter raus. Das bedeutete, dass die Rohre zersägt werden müssen und Muffen aus Alurohr gefertigt wurden. Alles am heimischen Esstisch in der schönen Eifel. 

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Da ich auch die Karbonrohre nicht von allzu weit herholen wollte, fand ich diese im schwäbischen Weil im Schönbuch bei Stuttgart. Gutes Material einer kleinen aber feinen Fabrik. Es kostet ja schon Überwindung, wenn man die teuren Hightech Rohre unter die Bügelsäge legt und sie verkleinert. Zweimal abgesägt und immer noch zu kurz war mir schlicht zu teuer. Da kommt dann doch der gebürtige Schwabe durch. Also alles nochmals nachgemessen und dann beherzt die Säge durch das Karbon gejagt. Zu meiner Beruhigung, muss ich sagen, dass ich richtig gemessen hatte. Ein Hoch auf einen guten Meterstab.


Aus klarem Gewebeschlauch entstanden die Verbinder zwischen den Leitkanten außen und den Querrohren. Die Verbinderleinen, an denen der Drachen dann angehängt wird, die sogenannte Waage entstand aus den Leine eines alten Gleitschirms. Ein Freund aus Mendig, der ebenfalls so einen Drachen baut, hatte einen alten Gleitschirm zur Verfügung. Aber das ist seine Geschichte. Sicher wird man ab und an in Mendig große Drachen sehen.


Nachdem der Drache fertig war und auch die kleineren Glasfaserstäbe abgelängt und eingehängt waren stand nur noch der Jungfernflug aus. Zum Einhängen der kleineren Stäbe habe ich Schlaufen von dünnem Gurtband ans Segel genäht und wiederum mit LKW Plane verstärkt. Die Stäbe bekommen dann Nocken von Pfeilschäften aus dem Bogensport. Die Teile hinten am Pfeil, wo der Pfeil auf der Sehne liegt. Als Drachenbauer muss man immer weit übern Teller schauen und prüfen welche Materialien man nutzen kann. Nur ins Regal greifen beim Händler wäre ja zu einfach.


An einem Samstag im April war es dann soweit. Ab auf die Wiese und den großen Drachen aufgebaut. Er leuchtet richtig schön in den Farben der alten Drachen.

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Etwas mulmig war mir ja schon bei dem Gedanken, den Riesen an die Leinen zu nehmen und ab damit in die Luft. Nu was solls? Ich kann ja nicht nächtelang an der Nähmaschine verbringen, ein kleines Vermögen in das Hightech Material zu versenken um dann zu kneifen. Nee so geht das nicht. Ich war ja auch nicht alleine auf der Wiese und meine bessere Hälfte und auch Freund Micha aus Mendig waren da.


So half mir dann Micha mit der Kontrolle der Waage. Aufgrund der Größe geht das nicht mehr alleine. Wir nahmen jeder eine Waageschnur in die Hand und zogen leicht daran. Der Flaki stand direkt über uns regungslos in der Luft.  Und dabei hatten wir eigentlich wenig Wind auf den Wiesen hoch über dem Ahrtal.

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Das machte Mut und ich konnte die 50 Meter langen Lenkschnüre an den Drachen knüpfen. Mit einer Bruchlast von 170kg pro Leine sollten sie das auch aushalten. Ähnlich wie ein Pilot vor dem Start, geht man im Kopf alles nochmals durch.. alle Verbinder ordentlich gesteckt, keine Leine verheddert. o.k., dann kommt der kleine Mann im Ohr und fragt dich: „Hast du dein Erbe verteilt, mit allem abgeschlossen,  wird dich dieses Monster töten oder bist der der Herr über das Biest?“ 


Doch dann gibst du dir einen Ruck und ziehst beherzt an den Leinen, ein kleiner Ausfallschritt nach hinten und dann gabs kein Halten mehr. Der Flaki zog langsam und gemütlich nach oben. Er fliegt einfach und macht keinerlei Anstalten mich um die Ecke zu bringen. Ganz majestätisch steht er im Himmel und wartet auf weitere Lenkbefehle. Zuerst eine Kurve nach links – ok, dann nach rechts – auch ok… jetzt einen Looping, gut fällt etwas größer aus, klar sind 7,6 Meter Spannweite. Das muss größer ausfallen.


Dann ließ ich mich ins Gras fallen und setzte mich zum weiterfliegen und das Ganze zu genießen.

Es sind diese Momente im Leben, die es einfach lebenswert machen.

Du arbeitest jeden Abend an einem Projekt, das jeder für wahnwitzig hält. Und dann klappt alles, der Drache fliegt und macht genau das was du dir ausgedacht hast. Einfach ein unbeschreibliches Glücksgefühl. 

Wer den Drachen am Himmel sieht, kann gerne kommen und zuschauen. Es schaut einfach schön aus, wenn der Himmel in diesen blöden Zeiten etwas bunter wird.
 

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Und nach einer gefühlten Ewigkeit versuchte ich es mit der Landung. Etwas aus dem Wind geflogen kam der Flaki willig in Richtung Wiese und stellte sich zum Landen sauber auf. So konnte ich ihn abstellen, sichern und ich bin mir sicher, er wartete schon auf den nächsten Start.


Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten.


Die Erlebnisse dieses Nachmittags wirkten noch sehr lange nach. Und obwohl ich es besser wissen müsste, da es ja nicht der erste Drachen ist den ich gebaut habe, konnte ich zutiefst zufrieden nach Hause marschieren.

Hier noch zwei Videos aus der Hand geschossen, einmal vom Start und einmal von der Landung.

25. April 21 ein klasse Tag mit Kaiserwetter. Sonne pur und exzellenter Wind um die 2bft. Ideal um den Großen zu fliegen. Doch zuerst war Micha an der Reihe. Er hatte ja mit seinem Flaki noch den Jungfernflug vor sich. Auch dieser, so sei vorab erwähnt war geglückt.

Danach durfte meiner wieder in die Luft. Hier ein paar Eindrücke vom Flug.

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Die Farben der alten Aldidrachen leuchten noch immer herrlich in der Sonne und es ist ein Genuß mit ihm am Himmel zu spielen.

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Heute blieben viele Wanderer stehen und bewunderten unsere bunten Drachen. Wir hatte einige nette Gespräche und der Eine oder Andere meint, dass er wohl auch mal wieder seinen Drachen vom letzten Nordeseeurlaub auskramen sollte. So macht der Sonntag auf der Wiese doch viel Laune.

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Der Flaki sagte auch mal Hallo zum Delta, der seine Fische in den Himmel hält.

Und beim scharfen Messerflug über dem Boden, den der Flaki richtig gut beherrscht...

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.. um dann in nächsten Moment wieder im wolkenlosen Frühlingshimmel zu stehen.

Was wir dann bemerkten als wir wieder zuhause waren, dass uns die Sonne ganz schön  verbrannt hatte. Gut mein Hut schützte mich ein wenig, aber Birgit hatte doch einen satten Sonnenbrand im gesicht.

Und dann war da noch ein Micha, der seine Drohne mitgebracht hatte. Er filze unsere Drachen von oben und so können wir jetzt auch mal den Flug des Flaki von oben sehen. 

So ging dann ein genialer Nachmittag auf der Wiese zu neige und wir zufrieden nach Hause.

Am 08.Mai 2021 in Mendig konnten wir mit 2 Flakis zusammen fliegen. Bei Micha in Mendig fanden wir eine frisch gemähte Wiese. 

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Beide Riesen stehen zusammen auf der Wiese und warten auf ihren ersten Teamflug

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Was für ein Anblick wenn die beiden Riesen am Himmel spielen. Wir hatten beide an 50 m Leinen und Platz zum Fliegen.

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Und zusammen mit dem Faltstern egeben sie ien wunderschönes Bild am Himmel, auch wenn er bewölkt war.

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