• Harald Bertsch

Sa Calobra (Die Schlange) wir haben sie bezwungen

Aktualisiert: 30. Okt 2019

(19.10. - 25.10. 2009)


Da waren noch ein paar Tage im Oktober frei - erst sollte es eine Städtereise werden, dann entschieden wir uns für ein paar Tage Mopedfahren im Warmen. Doch wohin im Oktober? und nach Mallorca wollten wir eigentlich nie, aber dann kam alles ganz anders - wie eigentlich immer im Leben. Und im Nachhinein war es eine klasse Entscheidung....

“Was wollen wir machen” fragten wir uns.

Irgendwie mussten wir mal wieder raus und was anderes sehn. Die Überlegungen gingen zunächst zu Städtereisen wie Wien, Lissabon oder Athen. Leider war das zu “umfangreich” für den Klingelbeutel.


“Sollen wir nochmals ne Mopedtour machen über die Tage?” Aber in der zweiten Oktober hälfte ist es in unseren Gefilden doch schon frisch um ne Woche auf dem Bock zu sitzen. “Dann fahren wir halt im Warmen” kamen wir schnell zum Ergebnis. Doch wo?


Spanien ist ne schöne Gegend - und Mallorca ist günstig zu erreichen - Nee nicht auf die Ballermann Insel - nie im Leben !

Naja die Insel ist ja etwas größer als der Ballermann und den Kegel- und sonstigen Clubs könnte man ja aus dem Weg gehen.


Nach einigen Nachforschungen wurden wir neugierig und Google warf etliche Mopedvermietungen aus. Aus etlichen Angeboten stach die Seite von

heraus. Bereits der erste Kontakt per e-mail mit Anke ließ uns hoffen.


Wir konnten über sie die Unterkunft mieten und der Flughafentransfer war auch kein Problem mehr. Treffpunkt, das Cafe`am Parkhaus hieß es ganz schlicht. So saßen wir eine knappe Woche später im Flieger und fieberten den Kurven und Eindrücken die uns erwarten sollten entgegen. Noch im Flieger dachte wir, nee das darf nicht wahr sein, wir sitzen da wo wir nie sitzen wollten, im Flieger nach Malle.

Peter von den mallorquin-bikes kam pünktlich zum Flughafen und brachte uns zu unserer Finca. Auf der Fahrt erzählte er uns bei einem sehr netten Gespräch wo die schönsten Ecken sind und dass es Cami’s gibt, die immer irgendwo wieder rauskämen.

Auf der Finca

angekommen, waren wir von dem wunderschönen Ort und der freundlichen Aufnahme vom Chef  überwältigt. Die Seite der Finca ist eher unter- als übertrieben.

Nach dem Frühstück holte uns Peter ab und wir erhielten von Johannes unser Moped. Eine BMW F 650 GS mit 50 PS - sie war top in Schuss und ließ uns zu keinem Zeitpunkt im Stich.


Dienstag - die Ostküste wollte entdeckt werden

Die ersten Kilometer führten uns auf den Hausberg von Felanitx, den San Salvador.

Die Serpentinen und der Blick über die Insel versprachen herrliche Tage mit unserem Kälbchen, der F650 GS.

Weiter Richtung Ostküste über Cala d`Or nach Porto Cristo über kurvenreiche Sträßchen, die entgegen den Nebenstraßen in unseren Gefilden bestens in Schuss waren.


Herrlich , auf der einen Seite die Felsen und auf der anderen das blaue Wasser. Nur eins war gleich: das Gas ist auch Rechts :-)

Immer wieder anhalten und die Aussicht genießen und die Augen reiben, dass es wirklich wahr war, was sich uns da bot.



Natürlich durfte der erste Strandbesuch nicht fehlen. Naja Sabine wäre am liebsten Baden gegangen, aber wer den Indianer kennt, der weiß, daß er lieber im Leder bleibt als in der Badehose. Die Bucht nannte sich Playa Romantica und das Wasser war noch über 20° warm und herrlich blau.


Auf kleinsten, zum Teil unbefestigten Sträßchen, fanden wir den Weg von Cala Ratjada über Arta`zur Finca zurück.


Eine letzte Zigarette um das Erlebte zu verarbeiten und den Cafe con Leche an einem alten Olivenbaum entsorgen..

Und die Aussicht auf der Finca ein Spanferkel auf mallorquinische Art zu genießen. Jaume der Gastgeber hatte hierzu auf der Terrasse eingeladen. So ließen wir den Tag bei einem Vino ausklingen.


Mittwoch - das Marktleben in Santanyi erleben


Da das Wetter morgens nicht ganz beständig war, entschlossen wir uns im nahe gelegenen Santanyi den Markt zu besuchen. Ein Blick auf die Karte zeigte uns verschlungene Pfade zu unserem Ziel.

Hurra, unbefestigte Wege ohne schlechtes Gewissen zu fahren und einfach nur Spaß zu haben dabei. Kein Verkehrsstau weit und breit, nur wir und der Cami.

Das Kälbchen fühlte sich sichtlich wohl auf diesen Wegen. Die regenreichen Tage im September ließen die Insel ergrünen und sie zeigte sich uns von der schönsten Seite.

So ein Marktbesuch macht durstig. Und was echte Freebiker angeht, darf auch das Essen nicht zu kurz kommen. Wir fanden eine kleine Bodega in der Innenstadt. Der Crepes mallorquina mit Serrano Schinken und Tomaten schmeckte himmlisch.

In jeder Ecke gab es liebevolle Kleinigkeiten zu entdecken. Das Auge wurde nicht müde den Innenhof der Bodega zu erkunden.

Liebevolles Chaos in jeder Ecke - und als der Himmel seine Schleusen öffnete, lud uns die Wirtin kurzerhand in ihre Küche ein um den Kaffee dort weiter zu genießen und ein nettes Gespräch sorgte für Kurzweil. Als wir uns verabschiedeten, machte sie noch das Visier von Sabines Helm sauber.

diese Freundlichkeit haben wir in den ganzen 6 Tagen immer wieder erlebt. Wir waren halt überall die Mopedfahrer mit denen man ein Schwätzchen hielt.

Auf der Rückfahrt konnten wir mal erleben was es heißt Regenguss auf Mallorca. Wir waren noch nässer als Nass. Nur das Bild mit unserem Moped unter Palmen zu stehen konnten wir uns dann doch nicht verkneifen.


Donnerstag - Ein Abendspaziergang nach einem stürmischen Tag

Da es morgens schon sehr stürmisch und regnerisch war, relaxten wir bei angenehmen Temperaturen im Garten dar Finca und ließen das Wetter auf uns wirken. Immer wieder fand die Sonne ein Loch in den Wolken und verzauberte den Garten in ein warmes Licht. Hinter der Balkontür rechts, konnten wir in den lauen Nächten uns von den Glocken der Schafe und dem Zirpen der Grillen in den Schlaf begleiten lassen.




Jaume hatte hier ein kleines Paradies erschaffen. Die Finca stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist seit dem im Besitz seiner Familie. Leider ließ uns das Moped keine Zeit um diesen herrlichen Pool zu erleben.

Als die Wolkenlücken eine Spritztour zuließen, machten wir uns auf nach Portocolom in den Hafen. 

Der Wind hatte die See aufgewühlt und kräftige Wellen´schwappten ins Hafenbecken. Bei Cafe`con Leche beobachtet wir das Spiel der Wellen mit den Segelbooten die vor Anker lagen.

Immer wieder der Blick übers Wasser und den Wind in den Haaren spüren.  Diese paar Tage taten uns richtig gut.

Zum Ausklang des  Tages schlenderten wir entlang auf Steinmauern gesäumten Wegen und ließen den Blick auf das Meer schweifen und den Duft der abendlichen Landschaft mit ihren Orangen- Limonen- Mandel- und Olivenbäumen wirken.

friedlich weideten die roten Schafe in der Abendsonne.


Johannisbrotbäume und Mandelbäume säumten den Weg. Die Mandelbäume luden zum Naschen ein. Diese Nüsse, die wir nur unterm Weihnachtsbaum oder als Zutat zu den Bodenseefelchen kennen, durften wir zum ersten mal direkt vom Baum klauen. Mit den Johannisbrotkernen wurde früher Gold und Edelsteine abgewogen und gaben das Gewicht von einem Karat vor. Heute sind sie als Dickungsmittel in Joghurt oder anderen Produkten bekannt.

Bei der Rückkehr sagte die Sonne auf dieser wundervollen Art Gute Nacht und ließ uns zu verstehen, morgen wird es ein geiler Tag.


Freitag - ab in die Berge

Nach einem wohlschmeckendem Frühstück mit allem was das Herz begehrt - Jaumes Mutter hatte bereits frisch gepressten Orangensaft serviert und jeden Morgen gefragt wie lange sie die Frühstückseier kochen soll - lagen wieder die engen kleinen Camis in Richtung Gebirge vor uns. Das Ziel war das Cap de Formentor.



Unterwegs entdeckten wir noch eine Festung die erklommen werden wollte. Das Catell de Santueri erreichten wir über enge Serpentinen und das Auge konnte die Insel erkunden und die nahen Berge winkten uns zu.

Lediglich die Ebene von Inca war noch zu passieren ehe wir zwischen Terrassen mit uralten Olivenbäumen sehr schnell an Höhe gewannen.



Wahnsinn gestern noch am Meer und heute auf Gebirgspfaden immer und immer wieder um die Ecken und die Serpentinen hoch über die Halbinsel Formentor.

In langen Serpentinen hoch von Port de Pollenca zum Talai d`Albercutx. Hier konnten wir die Überlegenheit des Mopeds gegenüber den wenigen Dosen der Sommerfrischler in Verbindung mit den Erfahrungen der Eifelstraßen voll ausspielen. Manch neidischer Blick kam aus den Autos als das Kälbchen an ihnen vorbeizog und so Kurve um Kurve nach oben stürmte.

Auf solchen Wegen einen Berg erklimmen gehört wohl zu den schönsten Arten ein Zweirad zu bewegen. An vielen Wendungen einfach anhalten und eine Zigarette genießen und den gigantischen Ausblick in sich aufsaugen.

Welch ein Ausblick auf die Illa de Formentor. Und da sitzen so viele am Strand von s’Arenal und wissen nicht wie viel Schönes diese Insel zu bieten hat.


Die nächsten Bilder zeigen wie sich unser Kälbchen gefreut hat uns “seine” Insel zu zeigen. Es drängte uns immer weiter zu neuen Kurven und Ausblicken auf die Küste und das blaue Mittelmeer.























Am nördlichsten Punkt der Insel angekommen mussten wir die spanische Lebensart kennen lernen. Das Cafe`schloss vor unseren Augen und uns blieb nur der Eistee und die Kekse aus dem Tankrucksack, den uns Johannes mitgegeben hat. Im Hintergrund kann man erkennen wie sich die Straße in den Felsen schmiegt und uns so viel Spaß gebracht hat.












Der Leuchtturm von Formentor hoch über dem Wasser zeigt wohl immer noch den Fischern den Weg. Was in den Alpen die Bergdohlen sind und dem müden Wanderer bei der Rast das Brot stibitzen, sind hier die Ziegen, die betteln und versuchen einen Happen zu ergattern.

Naja wir gaben gerne einige Happen her, da der Heimweg über Portcolom und einem gemütlichen Hafenrestaurant führte.

Im Hafenrestaurant angekommen ließen wir bei einer Paella und einem Vino Tinto - ich eher ein Cola, musste ja noch heimfahren - den Tag nochmals vorüberziehen. Es ist schwer zu sagen welcher Tag schöner war - oder ob der Ausblick auf den Samstag das alles noch toppen könnte.


Samstag - die Schlange wartet



Hier ist sie Sa Calobra - Die Schlange - was das Schild verspricht ist pure Freude am Mopedfahren. Wir haben noch nie solch eine Straße befahren - und wir sind viel auf zwei Rädern unterwegs. Sie führt zu der um 800 Meter tieferliegenden Schlucht und das auf eine schwindelerregende Art. Die Kurven und Serpentinen haben wir nicht gezählt nur erlebt und sie riss uns in ihren Bann, die Schlange.


Sie beweist uns, der Weg ist das Ziel, denn direkt unten fanden wir lediglich einen Parkplatz und ein kleines Restaurant.

Der Kopf der Schlange ist schon atemberaubend: eine 270° Grad Kurve die Krawattenkurve und weiter durch Felsentore und ihre unzähligen Windungen.

nur ein kleiner Teil ihres Körpers wie er sich um die Felsen windet ist immer wieder sichtbar, aber man kann erahnen welchen Spaß da vor uns liegt.

Keine Leitplanken, lediglich solch niedrige Begrenzungen stören den Blick ins Tal. Das einzige was die Gedanken etwas beschäftigt ist die Ungewissheit ob hinter der nächsten Kehre ein Auto oder gar ein Bus das Erlebnis auf der Schlange zu surfen trübt... wir hatten Glück und Freie Bahn bis hinunter ins Tal.

Hier liegt er vor uns, der Kopf der Schlange, die berühmte Krawattenkurve: Mirador nuu sa Corbata Die Einfahrt erfolgt über die Brücke,  um dann in einem Kreis unter ihr durchzufahren.

Ein Stopp hier lohnt um die wundervolle Bergwelt hier oben zu bewundern und einen Schluck aus der Teeflasche zu nehmen, sich zu stärken um mit dem Ungetüm zu ringen das vor einem liegt.

Dank des Tipps von Peter von den mallorquin-bikes schwenkten wir kurz vor dem Ausgang Richtung Cala Tuent ab und waren von der Schönheit dieser kleinen romantischen Bucht erschlagen. Die Stecke führte in Serpentinen zwischen alten Olivenbäumen hinunter.
















Hier finden nur die wenigsten der Besucher hin. Die verträumte Bucht lud uns zu einem Kaffee und einer Pause ein.


Unser Moped lenkte uns zu einem Restaurant mit einer schattigen Terrasse unter alten Pinien hoch über dem Wasser. Am Nachbartisch plauderten wir mit einem Ehepaar, das mit dem Mountainbike den Weg hierher gefunden hatte. Wir waren froh, dass auf dem Weg nach oben unser Kälbchen mit 50 Pferden ausgestattet war. Die Beiden hatten nur ihre Schenkelkraft um die 800 Meter zu erklimmen.


Weiter gings übers Gebirge die Küstenstraße Richtung Andratx.  Immer wieder der wunderbare Ausblick auf die Steilküste.

Dies ist wohl die beliebteste Strecke der zweirädrigen Malloquiner. Wir fuhren zeitweise zusammen mit ihren 600er Sportlern zügig durch die kurvige Berg- und Talstraße.















Der sehr alte Künstlerort Deia liegt harmonisch in den Berghängen. Viele prominente Künstler besuchten und besuchen den Ort. Auch uns hat seine Schönheit bezaubert.


Die Pinienhaine, die ihren betörenden Duft versprühten fanden wir auf der Strasse nach Valldemossa. Ein Stopp in diesen Wäldern ist einfach ein Muss um die Landschaft mit allen Sinnen aufnehmen zu können.














Völlig geplättet von den Eindrücken lud eine Palme am Strand zur Rast ein. Palmenblätter dienten als Sitzpolster und der Tankrucksack hielt ein deftiges Vesper für uns bereit.


Die Rückfahrt von Andratx führte im Abendlicht über kleine Bergstraßen und -orte durch die Serra de Tramuntana.

Bis wir dann den Tag wieder in “unserem” Hafenrestaurant in Portcolom ausklingen lassen konnten war es bereits eine klare mondhelle Nacht. Nach den heutigen 410km schmeckte das riesige T-Bone Steak einfach nur lecker.


Sonntag - die Nordküste




Den letzten Tag wollten wir an der Nordküste verbringen. Hier beim Besuch in Arta`mit seinem schönen Marktplatz.


Da Jaume uns das Zimmer bis Nachmittags überließ, konnten wir unser Gepäck dort belassen. Peter holte es dann später ab und wir trafen uns zum Abschluss bei den mallorquin-bikes um unser Kälbchen wieder in den heimischen Stall zu bringen. Doch bis dahin hatten wir noch etwas Zeit und fanden wunderschöne Plätze im Norden der Insel.


In Arta’ direkt an der Kirche führte ein kleines Schild mit der Aufschrift: Ermita de Betlem in eine noch kleinere Gasse. Da wir zuvor auf der Karte einen Aussichtspunkt mit diesem Namen entdeckt hatten, folgten wir bereitwillig dem Schild.


Als die Stadt hinter uns lag bot sich dieser grandiose Blick in ein Tal und eine kleine feine Strasse führte in sanften Serpentinen den Hang hoch.

keine gerade Strasse weit und breit und welch ein Geschenk der Insel zum Abschluss unseres Trips auf die Balearen.

auch über der Hügelkuppe schlängelte sich die Strasse nach unten um dann direkt in einem alten kleinen Kloster zu enden.

Sabine genießt nochmals den Ausblick und die ruhige Landschaft. Sie zeigt mir die Berge von Formentor, die wir noch zwei Tage zuvor erkundet hatten.


auch ich lasse den Blick nochmals über diesen wunderschönen Teil der Erde streifen und hänge etwas wehmütig am Gedanken, dass es in wenigen Stunden wieder in den Flieger geht, aber bis dahin saugen wir jeden Augenblick in uns auf.


Eine einsame Bucht die nur über Geröllwege erreichbar ist war unser letzter Besuch am Meer. Das Baden war jedoch nicht möglich, da der Strand über und über mit Seegras bedeckt war und die Brandung gegen die Felsen schlug.

und trotzdem nutzten wir die Zeit um noch etwas Sonne zu tanken und die Wellen zu beobachten. Ein seltenes Bild von mir mit nacktem Oberkörper.

Ein letzter Blick vom Flughafen in Palm auf das Gebirge Tramuntana. Zeit um ade zu sagen und zu hoffen, dass es uns nochmals möglich ist mehr von der Insel zu erleben.

So der geneigte Leser hat wohl mitbekommen, dass es doch mehr ist als nur Ballermann und Clubausflug mit Sangriafeten...


Wir haben die schönste Seite der Insel gefunden und sie hat uns gefesselt und immer wieder überrascht und begeistert. Wir hoffen wieder hola auf Mallorca sagen zu dürfen.

Was uns bleibt sind grandiose Eindrücke und uns bei Jaume und seiner Familie für die liebe Gastfreundschaft in seiner Finca und bei Peter, Johannes und Anke von den mallorquin-bikes für die freundliche Unterstützung und Aufnahme zu bedanken. Es war einfach klasse bei euch.

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